Untersuchungen über die Wirksamkeit
der Mikroalge Spirulina - platensis
auf spezielle Stoffwechselvorgänge und
das Allgemeinbefinden
Hp. R. Reglin
Eine prospektive Längsschnittuntersuchung
Köln, Mai bis August 1992
Zusammenfassung
Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob und auf welche Weise ein konzentriertes Speziallebensmittel, eine Natursubstanz, die Mikroalge Spirulina-platensis Einfluss auf Stoffwechselvorgänge nehmen kann. In der vorliegenden prospektiven Längsschnittuntersuchung wurde das Nahrungsergänzungsmittel von überwiegend "gesunden" Versuchspersonen, die ausser den Zivilisationserscheinungen Hypercholesterinämie, leichter Erhöhung des Blutzucker- und Harnsäurespiegels in erster Linie allgemeine Müdigkeit, Konzentrationsschwäche sowie eine eingeschränkte körperliche Belastbarkeit aufwiesen, über einen Zeitraum von 6 Wochen eingenommen. Vor, während und nach dieser Zeit wurde die Wirkung anhand einiger Laborparameter sowie einer subjektiven Bewertungsskala untersucht. Neben einer deutlichen Senkung des Gesamtcholesterinspiegels bei gleichzeitiger Erhöhung der HDL-Fraktion konnte sowohl ein regulativer Effekt im Glukosestoffwechsel wie auch eine hoch signifikante Steigerung des Allgemeinbefindens festgestellt werden.
Einleitung
Spirulina platensis, eine mehrzellige Blaugrünalge, wird schon seit vielen Jahren in Europa als Nahrungsergänzung verwendet. Denn Spirulina-platensis ist nicht nur Lieferant eines äusserst hochwertigen Proteins, sondern kann mit seinem Vitamin- und Mineralstoffgehalt auch dazu verwendet werden, die im Rahmen der Zivilisationsernährung auftretenden Vitalstoffdefizite in einem nicht unerheblichen Umfang auszugleichen. Die Mikroalge aus der Familie der Cyanophyceae ist in den alkalischen, stark salzhaltigen Soda-Seen heisser subtropischer Klimazonen beheimatet (darf also nicht mit Meeres- oder Süsswasseralgen verwechselt werden) und wird dort schon seit Jahrhunderten von den Kulturvölkern als Zusatz in den verschiedensten Speisen benutzt.
Alle in dieser Studie gewonnenen Erkenntnisse beziehen sich auf diese Qualität: Spirulina platensis . Diese besondere Qualität ist heute als sprühgetrocknetes Nährstoffkonzentrat in Tablettenform verfügbar, so dass die Aufnahme problemlos zwischen, zu oder mit den Mahlzeiten vermischt, erfolgen kann.
Besonders hervorzuheben ist die leichte Verdaulichkeit. Da Spirulina platensis keine Cellulose-Zellwand, sondern nur eine "Umhüllung" aus leicht löslichen Mucopolysacchariden hat, werden die Nährstoffe auch vom gestörten und geschwächten Organismus aufgenommen und verwertet.
Von sehr grosser Bedeutung unter den Inhaltsstoffen ist der hohe Eiweissgehalt der Mikroalge zu nennen, der ca. 65 % des getrockneten Produktes ausmacht. Interessanterweise enthält dieses Protein die essentiellen Aminosäuren in einem Verhältnis, wie es fast ausschliesslich bei den biologisch hochwertigsten Eiweissen tierischer Herkunft (Ei, Fleisch, Milch) zu finden ist. Hierdurch bietet sich eine ideale pflanzliche Alternative, den Organismus auf einfache und physiologische Weise mit wertvollem Protein zu versorgen.
Was den Vitaminanteil von Spirulina platensis betrifft, so ist in erster Linie der aussergewöhnlich hohe Beta-Carotingehalt zu erwähnen, der sich auf bis zu 1.700 mg /kg beläuft und auf die übliche Spirulina-Tagesmenge von 6 g bezogen bis zu 10,2 mg beträgt. Beta-Carotin entfaltet aufgrund seiner Radikalfängereigenschaften zellprotektive Effekte. Darüberhinaus ist es Vorstufe des für den Sehvorgang benötigten Vitamin A, dessen Bedarf in der heutigen Zeit zum Beispiele durch die Arbeit am Computerbildschirm erheblich vermehrt sein kann.
Unter den wasserlöslichen Vitaminen kommen unter anderen die neurotropen Vitamine B1 und B12 in bemerkenswerter Menge vor. So decken 6 g Spirulina ein Viertel des Tagesbedarfs an Vitamin B1 und das Doppelte des Bedarfs an Vitamin B12. In Anbetracht der Tatsache, dass ein grosser Teil der Bevölkerung latente Defizite an diesen Substanzen hat, können durch eine solche Nahrungsergänzung wichtige Nährstofflücken gefüllt werden.
Ähnlich sieht es für den Mineralstoff Eisen aus, von dem sich durch Spirulina platensis umgerechnet 3 mg/Tag zuführen lassen. Setzt man dies in Relation zum Tagesbedarf, der bei Frauen 18 mg und bei Männern 12 mg beträgt, so ist Spirulina als eine gut verträgliche Möglichkeit zur Verhütung einer Eisenmangelanämie anzusehen. Darüberhinaus enthält Spirulina platensis eine Vielzahl weiterer Vitamine (z.B. Nicotinsäure, Vitamin E, B2 und B6) sowie Mineralstoffe und Spurenelemente (z.B. Calcium, Phosphor, Magnesium, Lithium, Zink). Schliesslich muss noch der hohe Gehalt an Chlorophyll A und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (z.B. die Gamma-Linolensäure) erwähnt werden.
Aufgrund der langjährigen guten Erfahrungen, die sich jedoch fast ausnahmslos auf Praxis-Beobachtungen und persönliche Mitteilungen an den Hersteller rekrutieren, war es daher nur konsequent, mit Hilfe der im folgenden beschriebenen Studie einen objektiven Überblick zu schaffen.
Die Studie
In der vorliegenden Pilotstudie mit der Nahrungsergänzung Spirulina-platensis , die als prospektive Längsschnitterhebung durchgeführt wurde, ging es darum, mögliche Veränderungen einerseits bei bestimmten laborchemischen Parametern, andererseits bei einer probandeneigenen Einschätzung und Bewertung einiger Befindlichkeits-Parameter aufzuzeigen.
Bei der Festlegung der laborchemischen Parameter wurden die verschiedenen Organ- und Stoffwechselbereiche berücksichtigt.
Die Studie dauerte für den einzelnen Probanden 6 Wochen, in denen er 3 mal täglich - morgens, mittags und abends - je 5 Tabletten Spirulina platensis zu sich nahm, das entspricht einer Tagesdosis von insgesamt 6 g. Die üblichen Lebensgewohnheiten (Ernährung, Schlaf, Rauchen, Trinken etc.) sollten in dieser Zeit so weit wie möglich unverändert bleiben, um mögliche Störungen der Ergebnisse durch Veränderungen in diesen Bereichen auszuschliessen.
Begonnen wurde die Studie Anfang Mai 1992, beendet war sie Mitte August 1992.
Insgesamt teilgenommen haben 29 Probanden. Eine Teilnehmerin musste aus familiären Gründen die Stadt 2 Wochen nach Studienbeginn verlassen, ein Teilnehmer fand eine Stelle in den neuen Bundesländern, so dass insgesamt 27 Probanden an der Studie von Beginn an bis zum Ende teilnehmen konnten.
Die untersuchte Gruppe (n=27) setzte sich aus 17 Frauen und 10 Männern zusammen. Das Durchschnittsalter lag bei 38,03 Jahren. Der jüngste Teilnehmer war 27 Jahre alt, der älteste 68. Die Durchschnittsgrösse betrug 171,72 ±9,75 cm, das Durchschnittsgewicht 67,52 ± 13,81 kg.
Durch die zu Beginn der Studie durchgeführte Blutuntersuchung (Leerwert) konnten für den Bereich der laborchemischen Untersuchungen die folgenden 4 Gruppen gebildet werden :
1. Erhöhte Blutfettwerte (> 250 mg%) wiesen 11 Probanden auf, 5 Männer und 6 Frauen.
2. Erhöhte Blutglukosewerte (> 110 mg%) hatten insgesamt 7 Personen, 3 Männer und 4 Frauen.
3. Zu niedrige Blutzuckerwerte (<= 70 mg%) fanden wir bei 8 Teilnehmern. Erhöhte Harnsäurewerte (> 6.5 mg%) hatten 4 Männer und 2 Frauen.
3 Probanden gehörten 2 dieser Gruppen, 1 Proband 3 Gruppen an.
Eine Probandin konnte aufgrund einer sehr schlechten Venensituation lediglich an der subjektiven Untersuchung teilnehmen.
Die Kontrollgruppe der "Gesunden" (n = 7) setzte sich aus 3 Männern und 6 Frauen zusammen.
Die Blutentnahme erfolgte insgesamt 3 mal, die erste als Leeruntersuchung am Beginn der Studie, die zweite nach 3 Wochen, die dritte nach 6 Wochen am Ende der Studie. In Einzelfällen liess sich der exakte 3-Wochen-Abstand nicht realisieren, die Streuung liegt hier bei 4 Tagen.
Im einzelnen wurden die folgenden Parameter untersucht:
· Differentialblutbild
· Immunglobulin IgM
· Gesamtcholesterin
· HDL-Cholesterin
· LDL-Cholesterin
· Triglyceride
· Eisen
· g-GT (Gamma-Glutaryltransferase)
· Glukose
· Harnsäure
Der zweite Teil bestand aus einem Fragebogen, in dem der Proband seine subjektive Empfindung zu bestimmten Parametern auf einer 10-Punkte-Skala ankreuzen sollte. In diese subjektive Untersuchung gingen alle Probanden gleichermassen ein.

Abb. 1: Links Gruppe mit einem Cholesterinwert von über 250 mg%, rechts die HDL-Werte der gleichen Gruppe jeweils bei der Leermessung (0 Wochen) sowie nach 3 und 6 Wochen
Dieser Fragebogen, der bei jeder Blutabnahme erhoben wurde, umfasste die folgenden Parameter:
· Konzentrationsvermögen (+)
· körperliche Leistungsfähigkeit (+)
· geistige Leistungsfähigkeit (+)
· Abgeschlagenheit (-)
· Merkfähigkeit (+)
· allgemeine Motivation (+)
· Müdigkeit (-)
· Schlappheit (-)
· Depression. (-)
Abb. 2: Links Gruppe mit einem Blutzuckerwert von über 110 mg% und rechts mit unter 70 mg%, bei der Leermessung (0 Wochen), nach 3 Wochen und nach 6 Wochen

Abb. 3: Links Harnsäure-Status der Gesamtgruppe, rechts die Gruppe mit Harnsäurewerten von über 6.5 mg% je bei der Leermessung (0 Wochen) nach 3 Wochen und nach 6 Wochen.
Aus diesen 9 Parametern wurde schliesslich durch Addition ein 10. Wert gebildet, der zusätzlich als Mass für die Gesamtbefindlichkeit zu Rate gezogen werden konnte. Die negativ vorbesetzten Werte (Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Schlappheit, Depression) wurden dabei entsprechend subtrahiert.
Auf der Skala sollte der Proband seine persönliche Einschätzung zum Zeitpunkt der Untersuchung bzw. am Tage davor von gering (1) bis hoch (10) eintragen.
Ergebnisse
Alle gewonnenen Ergebnisse wurden mit dem gepaarten t-Test nach Student geprüft.
Die Resultate des Differentialblutbildes konnten aufgrund eines im Verlauf der Studie erkannten systematischen Laborfehlers nicht ausgewertet werden. Keine signifikanten Veränderungen konnten im Versuchszeitraum bei den Parametern IgM, Eisen und gGT gefunden werden.
Cholesterin/HDL
11 der untersuchten Personen (5 Männer und 6 Frauen) hatten einen Gesamtcholesterinspiegel von über 250 mg/dl. Der Mittelwert lag in dieser Gruppe bei 279,43 mit einer Streuung von 22,10. 3 Wochen nach täglicher Einnahme von 15 Tabl. Spirulina platensis lag der Mittelwert bei 244,44 ±
37,60, nach 6 Wochen bei 246,72 mg ± 60,95 (Abb. 1).
Der HDL-Anteil stieg in dieser Gruppe von 30,54 mg am Anfang auf 36,89 mg nach 3 Wochen und 38,86 mg nach 6 Wochen.
Die Veränderungen beim Gesamtcholesterin waren nach 3 Wochen statistisch hochsignifikant (p= 0.0066), nach 6 Wochen signifikant (p=0.0641), beim HDL-Anteil nach 3 Wochen mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p=0.0279 und nach 6 Wochen mit p=0.0196 statistisch signifikant. (Tab. 1)
Cholesterin sank nach 3 Wochen um 12,5 % (=35 mg), nach 6 Wochen um 11,7 % (=32 mg), im gleichen Zeitraum stieg der HDL-Anteil von 30,54 mg% auf 36,89 mg% nach 3 Wochen und auf 38,86 mg% nach 6 Wochen, d. h. um insgesamt 20,7 %.
Die LDL-Anteile wie auch die Triglyceride blieben während der Studie unbeeinflusst.
Glucose
7 Teilnehmer (3 Männer und 4 Frauen) hatten bei der Leermessung einen Blutzuckerwert von > 110 mg%. Das Mittel lag bei 127,84 mg%. Bei der Kontrollmessung nach 3 Wochen lag der Mittelwert bei 107,05 mg% und am Ende der Studie bei 92,60 mg%, das entspricht einer Verminderung von 16,2 % nach 3 Wochen und 27,5 % nach 6 Wochen. Mit einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p=0.0451 war die Veränderung nach 6 Wochen statistisch signifikant.
In der normoglykämischen Gruppe gab es dagegen während der Studie keine statistisch relevante Veränderung.
Tab. 1: Resultate der laborchemischen Untersuchungen in Tabellenform
In der normoglykämischen Gruppe gab es dagegen während der Studie keine statistisch relevante Veränderung.
8 der Probanden dagegen hatten einen Blutzuckerwert von um die 70 mg% bzw. darunter. Der Mittelwert lag hier bei 63,25 ± 10,35, nach 6 Wochen bei 80,99 ±16,8. Bei den unterzuckerten Probanden also liess sich statistisch signifikant ein Anstieg verzeichnen (Abb. 2).
Harnsäure
Die Harnsäure, die als reine Kontrollsubstanz in die Untersuchung mit einbezogen wurde, war mit einem Wert von 5,24 mg% von Beginn an normal. Nach 3 Wochen lag das Mittel bei 4,97 mg%, nach 6 Wochen bei 4,94 mg%. Selbst bei den von vorneherein gefährdeten Personen, dass heisst bei Probanden mit Harnsäure-Werten über 6,5 mg% verringerte sich der Mittelwert von 7,34 mg% am Anfang auf 6,75 mg% am Ende der Studie. (Abb. 3, Tab. 1)
Körpergewicht
Das Körpergewicht, zu Beginn und am Ende der Studie ermittelt, zeigte keine relevanten Veränderungen. Im Mittel sank es von 67.52 ±13.81 auf 66.85 ± 13.07.
Tab. 2: Resultate der subjektiven Befragung in Tabellenform
Subjektive Beurteilung
Hier wurden alle Teilnehmer gleichermassen in die statistische Auswertung mit einbezogen. Die Probanden hatten bei jeder Blutabnahme einen Fragebogen mit 9 allgemeinen Befindlichkeitsparametern in einer 10-Punkte-Skala auszufüllen (s. Anhang). Dabei kam es nicht auf eine exakte Einschätzung innerhalb der Skala an, vielmehr interessierten die Veränderungen während der Studie.
Beispiel aus der Studie:
Ein 68 jähriger Rentner, der seit Jahren schon wegen schwerer Gonarthrose eine Gehhilfe benötigt, schätzte seine körperliche Leistungsfähigkeit mit 3, also eher gering ein. Ebenfalls mit 3 schätzte auch eine 27 jährige, sehr sportliche junge Frau ihre körperliche Leistungsfähigkeit ein. Objektiv sicher eine erhebliche Diskrepanz.
Da aber nur der subjektive Eindruck beurteilt werden sollte, und weil davon auszugehen ist, dass sich die individuellen Kriterien bei ein und derselben Person innerhalb von 6 Wochen nicht drastisch verändern, konnte diese Art der Befragung durchaus auch statistisch ausgewertet werden.
Die Ergebnisse im einzelnen (Tab. 2):
Die Konzentrationsfähigkeit wurde am Beginn der Studie im Mittel mit 4.89 ± 1.97. Nach 6 Wochen lag der Mittelwert bei 6.28 ± 1.74, das entspricht einer Verbesserung in der subjektiven Einschätzung um 28,4 % und ist mit p=0.0009 statistisch hochsignifikant (Abb. 4 ).
Die körperliche Leistungsfähigkeit wurde anfangs mit 5.04 ± 2.08 eingeschätzt, am Ende mit 6.80 ± 1.53. Die subjektive Erhöhung um fast 35 % war mit p=0.0003 ebenfalls hochsignifikant (Abb. 4 ).
Die Veränderung der geistigen Leistungsfähigkeit war dagegen eher unauffällig: 5.54 ±1.62 gegenüber 6.32 ± 1.95, mit p=0.1169 nicht einmalschwach signifikant (Abb. 4 ).
Die allgemeine Motivation veränderte sich von 5.11 ± 2.06 nach 6.44 ± 1.58 und war mit p = 0.0083 hoch signifikant (Abb. 4 ).
Das Gefühl der Abgeschlagenheit nahm mit p=0.0142 von ursprünglich 5.36 ± 1.62 auf 4.00 ± 1.68 signifikant ab (= 25,3 %) (Abb. 4 ).
Die Merkfähigkeit stieg ebenfalls signifikant (p = 0.0207) um 17,7 % von 4.86 ± 2.16 auf 5.72 ± 2.13 (Abb. 4 ).
Hochsignifikant war auch das Ergebnis bei der Beurteilung der Müdigkeit


Abb. 4: Subjektive Bewertungen
Links: positive Eigenschaften, Links: negative Eigenschaften,
Unten: Gesamteindruck jeweils am Anfang, nach 3 Wochen und nach 6 Wochen
(p=0.0004). Wurde diese am Anfang mit im Mittel 6.04 ± 2.40 noch sehr hoch beurteilt, sank die Einschätzung im Laufe der 6 Wochen auf 3.88 ± 1.30, eine Verminderung um 35,7 % (Abb. 4).
Die Schlappheit sank von 5.36 ± 2.23 auf 4.08 ± 1.63 (p=0.0322) (Abb. 4 ),
Gefühle von Depression sanken von 3.54 ± 2.60 auf 2.44 ± 1.42 (p=0.0373) (Abb. 4 ).
Beide Parameter wiesen damit eine signifikante Veränderung auf.
Die Schlappheit verminderte sich um 23,8 %, die Depression sank um 31 % bei allerdings ohnehin schon geringem Ausgangswert mit relativ grosser Streuung.
Der 10. Wert schliesslich, der - wie beschrieben - am Ende der Studie künstlich geschaffen wurde, und der einen Gesamteindruck wiedergibt, brachte statistisch hochsignifikante Ergebnisse: Der Ausgangswert lag bei 5.00 ± 11.08. (Dies war möglich, da bei hoch eingeschätzen Negativ und gering eingeschätzten Positiv Parametern auch negative Zahlen entstehen konnten.) Die Einschätzung nach 3 Wochen lag bei 16.91 ± 7.95 (p=0.0001) und nach 6 Wochen bei 17.16 ± 9.43 (p=0.0002) (Abb. 5). Das entspricht einer subjektiven Gesamtverbesserung von durchschnittlich ca. 12 Punkten, also mehr als das Doppelte des Ausgangswertes !
Diskussion
Bei dieser Pilotstudie wurde kein bestimmtes Ergebnis von vorneherein erwartet. Obwohl das Produkt Spirulina platensis bereits seit Jahren als Nahrungsergänzung auf dem Markt ist, war dies - abgesehen von einer rudimentären Untersuchung auf die Makrophagenaktivität - die erste Verlaufsuntersuchung überhaupt, die unter Einnahme des Produktes stattgefunden hat.
Bislang gab es lediglich eine Menge von persönlichen Erfahrungswerten. Vermutet wurde ein Effekt auf den Glukosestoffwechsel, da als Zufallsprodukt derartige Ergebnisse bereits aufgetaucht waren. Berichtet wurde immer wieder über ein allgemeines körperliches und geistiges Wohl- bzw. Besserbefinden nach der Einnahme von Spirulina-platensis . Quantifiziert wurden derartige Berichte allerdings nie, daher waren sie (im wissenschaftlichen Sinne) natürlich auch nicht aussagekräftig und verwertbar.
Bei der Beurteilung der Ergebnisse stets zu berücksichtigen ist die Tatsache, wie die relativ geringen Mengen von Spirulina-platensis, wie sie zur täglichen Nahrungsergänzung empfohlen werden, in der Lage sind, katalytische Prozesse nach dem Motto 'Nicht auf die Quantität, sondern auf Qualität und Bioverfügbarkeit der Nährstoffe kommt es an' in Gang zu setzen.
Wir betrachten in der vorliegenden Studie zunächst einmal den Parameter Harnsäure, der als reine Kontrollsubstanz im klinischen Labor mit bestimmt wurde. Gab und gibt es doch häufig das Argument zu hören, dass die konzentrierte Einnahme so niederer Lebensformen aufgrund der ungünstigen Kern-Plasma-Relation zwangsläufig zu erhöhten Harnsäurewerte führen müsse, was sich insbesondere bei entsprechend prädisponierten Personen sehr negativ auswirken könne. Da dieses Argument nicht von der Hand zu weisen war, haben wir den Verlauf dieses Parameters mit in die Untersuchung einbezogen. Wie oben bereits geschildert, gab es nicht nur keine Erhöhung während der gesamten Studie zu verzeichnen, im Gegenteil: in der Gesamtgruppe und ganz besonders sogar bei den gefährdeten Personen (mit Harnsäurewerten über 6.5 mg%) konnte eine deutliche Verringerung der Werte beobachtet werden (s. Tab. 1 u. Abb. 2). Die Angst vor einer Harnsäureüberflutung konnte also ausgeräumt werden.
Die vereinzelt festgestellte Senkung erhöhter Glucosewerte konnte in dieser Studie nachvollzogen werden. Der Blutglucosewert konnte bei den Hyperglykämikern in den 6 Wochen um mehr als 27 % signifikant verringert werden (von ca. 128 mg% auf 93 mg%). Die untersuchte Gruppe war mit n = 7 zwar relativ klein, da aber in der gesunden Gruppe eine gleiche, wenn auch nicht signifikante Tendenz zu erkennen war (von 92,5 mg% auf 84 mg%), kann man das Resultat als durchaus realistisch ansehen. In diesem Zusammenhang interessant war ebenfalls die Gruppe mit einem Blutzuckerwert um bzw. unter 70 mg% (n = 8 ). Die während der Studie beobachtete Erhöhung von 63,25 ± 10,35 auf 80,99 ± 16,8 mg% lässt in Verbindung mit den oben beschriebenen Ergebnissen die Vermutung zu, dass hier ein wie auch immer gearteter regulativer Effekt im Spiel zu sein scheint, ein Aspekt, dem noch einmal besondere Beachtung geschenkt werden sollte.
Das interessanteste Ergebnis unter den laborchemischen Parametern aber lieferten zweifellos die Blutfettwerte Gesamtcholesterin und HDL. Gesamt
Cholesterin konnte von ca. 279 mg% auf 246 mg% um etwa 12 % gesenkt werden, zugleich erhöhte sich der HDL-Anteil von 30,5 mg% auf 38,8 mg% , also um etwa 20 %. (Abb. 1) Dies ist ein Ergebnis, das sich durchaus neben dem der meisten allopathischen Präparate sehen lassen kann. Der Vorteil von Spirulina platensis : es gibt keinerlei schädigenden Nebenwirkungen. Die Streuungen in der 3. und 6. Woche erschienen recht hoch. Bei der Auswertung der Einzelergebnisse wurde der Grund klar. "Verursacher" in der 3. Woche war eine um 2 verminderte Stichprobe, bei der 6. Woche zwei "Ausrutscher", 2 Probanden wiesen nach 6 Wochen Spirulina-Einnahme einen über den Anfangswert erhöhten Cholesterinspiegel auf, einer war nahezu unverändert, bei 8 Probanden dagegen waren deutlich tiefere Werte zu verzeichnen. 72,7 % der Untersuchten zeigten also eine Response auf Spirulina, 18,2 % waren Non-Responser, 9,1 % zeigte keine Veränderung.
Aufgrund dieses Ergebnisses kann an dieser Stelle nur angeregt werden, weitere Untersuchungen zur Absicherung und Bestätigung in dieser Richtung durchzuführen.
Gerüchte, Spirulina platensis sei besonders für eine Gewichtsabnahme geeignet, konnten in dieser Studie keinesfalls bestätigt werden.
Im Bereich der subjektiven Beurteilung waren die Ergebnisse insgesamt am deutlichsten. Die Einschätzungen der Probanden waren nach 3 Wochen durchweg etwas besser als nach 6 Wochen. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass nach den ersten 3 Wochen - durch das Auffüllen der Mineralstoff- und Vitaminspeicher - der Unterschied in den Befindlichkeiten gegenüber vorher als drastischer empfunden wurde als dies von der 3. bis 6. Einnahmewoche der Fall war, wo die Befindlichkeit ja ohnehin schon stark gebessert war. Das zeigt auch der Vergleich zwischen den Ergebnissen der 3. und 6. Woche (s. dazu Tab. 2).
Interessant in diesem Zusammenhang ist es zudem, dass es einige Probanden gegeben hat, die bei der Zwischen- sowie der Abschlussbefragung angaben, für sie hätte sich durch die Einnahme von Spirulina platensis nichts geändert. Im vorher schriftlich ausgefüllten Fragebogen jedoch waren erhebliche Verbesserungen zu verzeichnen Also auch bei den eher skeptischen Personen (als solche konnten die angesprochenen im Gespräch ermittelt werden) gab es trotz negativer Einstellung die aufgezeigten positiven Veränderungen.
Betrachtet man die Einzelergebnisse, so fällt auf, dass es tatsächlich keinen
Studienteilnehmer gegeben hat, dessen subjektive Bewertung am Ende schlechter ausgefallen wäre als am Anfang (s. hierzu auch den Kasten mit einer Auswahl der abgegeben Statements zum Schluss der Studie).
Der Anwendung von Spirulina platensis im präventiven Bereich sind annähernd keine Grenzen gesetzt. Besonders zu empfehlen ist das natürliche Nährstoffkonzentrat in Situationen, die mit verstärkter körperlicher oder geistiger Beanspruchung einhergehen. Hierzu zählen längere Autofahrten, Prüfungsvorbereitung oder Klimawechsel. Dabei tragen vermutlich die neurotropen Vitamine B1 und B12 und der beträchtliche Gehalt an Glutaminsäure zur Steigerung des Konzentrationsvermögens sowie der hohe und qualitativ wertvolle Aminosäureanteil zur Zunahme der körperlichen Leistungsfähigkeit bei.
Im klinischen Bereich sollte die Mikroalge durchaus als Regulativum im Bereich von Blutzuckerveränderungen ausprobiert werden. V.a. jedoch durch die positive Beeinflussung des Gesamtcholesterins sowie der HDL-Fraktion scheint hier ein weiteres Naturmittel eine wirkungsvolle und dabei nebenwirkungsfreie Alternative zur allopathischen Medikation zu bieten.
So lässt sich abschliessend sagen, dass Spirulina platensis als eine wertvolle Nahrungsergänzung beurteilt werden muss, v.a. im Hinblick auf die Fettstoffwechselsituation sowie in Bezug auf die allgemeine Versorgung mit essentiellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen, was zu der eindrucksvoll dargestellten Steigerung des Allgemeinbefindens führt.